Die Donau-Friedenswelle in Österreich
Mit einer großen Veranstaltung in der Donaucity-Kirche hatte die „Donau-Friedenswelle“ am 17. Februar 2011 Wien erreicht. Das Netzwerk für Frieden und Gewaltfreiheit, der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich und die Evang. Akademie Wien hatten dazu eingeladen.
Schwerter zu Pflugscharen
© Alois Reisenbichler
„Steter Tropfen höhlt den Stein“ sagten Michael Bünker, Bischof der evang. Kirche A.B. in Österreich und Vertreter der Dekaden bei der Begrüßung. Engagement gegen Gewalt und für den Frieden benötige oftmals einen sehr langen Atem. Geduld und Beharrlichkeit in der Friedensarbeit im Donauraum sei deshalb besonders den Aktionen der Donau-Friedenswelle zu wünschen. Ausdauer bewiesen auch die beiden Schmiede, die dem nasskalten Wetter trotzten und vor der Kirche auf dem Platz der Vereinten Nationen mit Bezug auf die Worte der Propheten Micha und Jesaja zwei im Feuer erhitzte Schwerter in Pflugscharen verwandelten. Diese Werkzeuge wurden am Ende der Veranstaltung für einen guten Zweck versteigert. Während der Schmiede-Aktion verlasen Studentinnen der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien eine Friedenserklärung, in der sie um einen verständnisvollen und einfühlsamen Umgang mit Kindern und Jugendlichen warben.
Mit Kinderrechten und Erziehung zur Gewaltfreiheit beschäftigten sich auch zwei Workshops am Nachmittag. Weitere Arbeitsgruppen vertieften die Themen Migration, Aktive Friedenspolitik und Friedensökonomie. „Kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander“ lautete das Motto des Workshops, in dem die Verbesserung der Lebenssituation der Roma in Österreich im Mittelpunkt stand. Roma-Vereine im Burgenland versuchen mit ihren Angeboten, wie z.B. Romani-Sprachkursen und Veranstaltungen mit kulturellem Austausch zwischen Roma und der Mehrheitsbevölkerung in Österreich, Vorurteile abzubauen und das Aufeinanderzugehen zu fördern. Der Verein Roma-Service betreibt u. a. das „RomBus“-Projekt, eine Art rollendes Kulturzentrum mit Büchern, DVDs, CDs und Zeitschriften in Romani. Dieser Bus fährt regelmäßig Roma-Siedlungen an, um bei der Organisation von Veranstaltungen und sozialen Anliegen zu assistieren sowie Romani-Kurse durchzuführen. Jüngstes Projekt ist eine Interviewserie mit KZ-Überlebenden unter dem Titel „Mri Historija“ (meine Geschichte), in der 15 Burgenland-Roma über ihre Lebensumstände seit 1938 bis heute berichten. Für die seelsorgerliche Begleitung wurde 1996 das Referat für ethnische Gruppen der Diözese Eisenstadt gegründet, in der vor 12 Jahren eine hauptamtliche Teilzeitstelle in der Roma-Pastoral eingerichtet wurde.
Nach einer ökumenischen Vesper mit Gesängen der Gemeinschaft Sant´ Egidio und Fürbitten der Liturgie der Donau-Friedenswelle rundete das Konzert der Balkan-Jazz-Combo „Kohelet 3“, die für Österreich die Schirmherrschaft übernommen hat, den Tag ab. An den Feierlichkeiten nahmen auch der Bischof der Diözese Innsbruck und Beauftragte der Bischofskonferenz für Ökumene Manfred Scheuer, der Erzdiakon der russisch-orthodoxen Gemeinde zum Heiligen Nikolaus, Viktor Schilowsky sowie die Wiener Baptistenpfarrerin Andrea Klimt teil. Auch eine Delegation aus den anderen am Projekt beteiligten Ländern Württemberg, Bayern, der Slowakei, Ungarn und Rumänien war dabei. Das Faltblatt zur Veranstaltung können Sie hier herunterladen.
Das symbolische Ruder der
„Donau-Friedenswelle", © Alois Reisenbichler
Das symbolische Ruder hatte Bischof Michael Bünker an Generalbischof Miloš Klátik weiter gereicht. Denn die Donau-Friedenswelle wurde im März 2011 in der Slowakei gefeiert. Die evang. Kirche A.B. in der Slowakei hatte am Sonntag, den 20.3. zu einem Festgottesdienst nach Komárno eingeladen. Informationen dazu finden Sie hier.
Fürbitten-Gottesdienst der Gefängnisseelsorge
Als Beitrag der Gefängnisseelsorge zur "Donau-Friedenswelle" war bereits am Morgen des 17. Oktober 2010 in der größten Justizanstalt Österreichs, der Justizanstalt Wien-Josefstadt, ein evangelischer Gottesdienst zum Ausklang der "Dekade zur Überwindung von Gewalt" gefeiert worden. Einstige Hooligans und Mordangeklagte hatten Worte des Neuanfangs und der Lebenstrauer verlesen. Die Gebete galten, so der evangelische Gefängnisseelsorger Pfarrer Matthias Geist, "der Fürbitte für die Opfer und deren Angehörige, der Sehnsucht nach Versöhnung und innerem Frieden sowie dem Schutz vor jeder Gewalt im Gefängnis".
Ansprechpartnerinnen:
Dr. phil. Kirsten Beuth
Mag. Barbara Rauchwarter
Evangelische Akademie Wien
Schwarzspanierstraße 13
1090 Wien
E-Mail: akademie@evang.at
Tel. 0043 (0) 1 408 0695 0
www.kirchen.at
Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich stellt sich vor (ÖRKÖ)
Der ÖRKÖ sieht seinen besonderen Auftrag darin, in Österreich den ökumenischen Gedanken zu verwirklichen, ihn nach außen zu vertreten und nach innen im Gemeindeleben zu vertiefen:
- Antworten auf die Fragen der Welt von heute
- das Bild der Kirchen in unserer Gesellschaft
- die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens
- Kontakte zu anderene Religionsgemeinschaften
- überregionale ökumenische Veranstaltungen
Immer wichtiger wird das gemeinsame Feiern und Handeln und die Stimme der Kirchen zu gesellschaftlichen Herausforderungen. Dem ÖRKÖ gehören zur Zeit 14 Kirchen als Mitglieder an:
- Altkatholische Kirche
- Anglikanische Kirche
- Armenisch-apostolische Kirche
- Bulgarisch-othodoxe kirche
- Evangelische Kirche A.B.
- Evangelische Kirche H.B.
- Evangelisch-methodistische Kirche
- Griechisch-orthodoxe Kirche
- Koptisch-orthodoxe Kirche
- Römisch-Katholische Kirche
- Rumänisch-orthodoxe Kirche
- Russisch-orthodoxe Kirche
- Serbisch-orthodoxe Kirche
- Syrisch-orthodoxe Kirche
Von besonderer Bedeutung ist das Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, das am 1. Advent 2003 der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Nach vierjähriger Vorbereitung ist ein von allen, den unterschiedlichen Traditionen angehörenden Mitgliedskirchen ein gemeinsamer Text entstanden, in dem die Kirchen gemeinsam Probleme unserer Gesellschaft ansprechen und die Perspektive der Kirche dazu deutlich zur Geltung bringen. Es ist kein letztes Wort, sondern eine Einladung an alle, sich den aktuellen Herausforderungen unserer Welt zu stellen und Lösungen zu suchen, die dem Menschen dienen und unsere Welt als Schöpfung ernst nehmen.
In Österreich wurden die Aktivitäten im Rahmen der ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt mit der von der UNO-Vollversammlung ausgerufenen „Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die Kinder der Welt“ koordiniert. Seit 2001 veranstaltet eine Arbeitsgruppe des ÖRKÖ gemeinsam mit dem Österreichischen Netzwerk für Frieden und Gewaltfreiheit, einem Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen friedenspolitischen Initiativen, jährlich einen Studientag. Schwerpunktthemen waren z.B. Friedenserziehung, das Verhältnis der Geschlechter und Kinderrechte. Als Referenten waren u.a. die bekannten Friedensforscher Fernando Enns, Uli Jäger und Horst-Eberhard Richter eingeladen.
Diese bewährte Zusammenarbeit wird auch bei der Donau-Friedenswelle fortgeführt werden.
